Vorstellungsgespräch

Sie haben einen Termin für ein Vorstellungsgespräch? Glückwunsch, dann sind Sie eine Runde weiter im Bewerbungsmarathon und haben sich bereits gegen viele Mitbewerber erfolgreich durchgesetzt. Ihr fachliches Proil und die Art Ihrer Bewerbung haben den Personaler überzeugt – nun gilt es, sich zu beweisen. Eine gute inhaltliche und mentale Vorbereitung wird Ihnen helfen, sich überzeugend zu präsentieren.

Die Unternehmensrecherche

Eine umfassende Recherche ist unerlässlich. Sammeln Sie Informationen über das Unternehmen und sein Umfeld, studieren Sie den Internetautritt und lassen Sie Google nach den gängigen Keywords, der Branche oder aktuellen Pressemitteilungen suchen. Viele Unternehmen sind auch bei Facebook aktiv – schauen Sie sich auch diese Seiten in Ruhe an. Nehmen Sie ruhig Kontakt mit der PR-Abteilung auf und lassen Sie sich Bewerberinformationen, Unternehmensbroschüren oder Geschätsberichte zuschicken.

Haptische Informationen prägen sich schneller ein. All diese Informationen sind ganz wichtig für die klassische Frage: „Bevor wir tiefer ins Gespräch einsteigen, sagen Sie mir doch bitte einmal, was Sie bereits über unser Unternehmen wissen“.
Dabei sollten Ihnen zumindest die Eckdaten, wie die Gesellschatsform, das Produktportfolio, die Produkt- und Unternehmensentwicklung, das Alleinstellungsmerkmal, die Anzahl der Mitarbeiter oder die Branchenpositionierung und die größten Wettbewerber geläuig sein. Je nach Position sollten Sie auch betriebswirtschatliche Kennzahlen, wie Umsatzentwicklung, Filialkultur, Aktienkurs oder die Firmenkultur kennen.

Das Outfit und der Auftritt

Den Dresscode kann man manchmal bereits auf der Internetseite eines Unternehmens erkennen. Natürlich hängt die Wahl des Outits ganz stark von der entsprechenden Position und von dem Unternehmen ab, bei dem man sich bewirbt. Faustregel: Je konservativer das Unternehmen, desto konservativer die Kleidung und in einem Job mit direktem Kundenkontakt spielt der Dresscode eine größere Rolle, als wenn man nur im Hintergrund arbeitet. Ergo ist das Outfit bei einem Vorstellungstermin in einer Unternehmensberatung anders zu wählen, als in einem Krankenhaus oder einer Bäckerei…

Bei Angestellten ist ein Anzug immer gut zu empfehlen. Bitte wählen Sie keine grellen Farben oder zu viele Muster, das lenkt von Ihrer Person ab und ist Geschmackssache. Führungskräte nahezu jeder Branche repräsentieren das Unternehmen und tragen einen Anzug - professionell und klassisch in Dunkelblau oder Anthrazit, dezenter Schlips und weißes Hemd mit Manschettenknöpfen. Und vergessen Sie bitte nicht die Schuhe. Guten Geschmack und Stil erkennt man an den Schuhen!

Das Outfit alleine sagt zwar nichts über die Leistungsstärke eines Bewerbers, aber es drückt viel über seine Persönlichkeit, seine Sorgfalt, sein Habitus aus. Legen Sie sich Ihre Kleidung am Abend vor dem Vorstellungsgespräch bereit und schon vermeiden Sie einen Stressfaktor vor dem Gespräch.

Für eine erfolgreiche Selbstpräsentation ist es wichtig, dass Sie sich in der gewählten Kleidung wohl fühlen, denn nur dann agieren Sie sicher, gehen leichter auf Ihre Mitmenschen zu und strahlen Kompetenz aus. Murray Barrick von der A & M Texas University und seine Kollegen haben im Rahmen einer Studie herausgefunden, dass sich bereits in den ersten Minuten der Kennenlernphase, also noch vor dem eigentlichen Interview, entscheidet, welcher Bewerber später für kompetent gehalten wird und den Job bekommt. Im Journal of Applied Psychology dokumentierten sie ausführliche Fake-Interviews mit 189 Studenten, von denen die meisten später echte Bewerbungsgespräche für ein Praktikum bei einem der vier großen Wirtschatsprüfungsunternehmen hatten (Deloitte, Ernst & Young, KPMG und PricewaterhouseCoopers).
Sie wollten untersuchen, ob die Beurteilungen der Interviewer direkt nach einer kurzen Intitialphase eines Bewerbungsgespräches trivial sind oder ob sie etwas über die beruliche Kompetenz des Bewerbers aussagen. Vor diesen Fake-Interviews gab es eine kurze Kennenlernphase von zwei bis drei Minuten, in denen Bewerber und Interviewer lächeln und sich beschnuppern konnten. Erstaunlich war, dass die Interviewer bereits nach diesen drei Minuten eine Vorstellung von der Kompetenz des Bewerbers hatten. Sogar die Scores der Interviews, die die vier Unternehmen unabhängig durchführten, ließen sich mit der Fähigkeitseinschätzung aus den ersten drei Minuten vorhersagen.

Fazit: Wer beim Auftakt einen guten Eindruck hinterließ, bekam mit größerer Wahrscheinlichkeit den begehrten Job.

Später werteten Murray Barrick und seine Kollegen Jonathan Shafer und Sandra DeGrassi den Zusammenhang in einer Metaanalyse1 aus und untersuchten die Strategie, den Interviewer in einem unstrukturierten Bewerbungsgespräch anzulächeln. Dabei bündelten sie die einzelnen Taktiken zu drei Kategorien:

  • Erscheinungsbild (physische Erscheinung, wie geplegtes Äußeres, angemessenes Outit und persönliche Hygiene)
  • Impression Management (Informationen, die der Bewerber ganz gezielt einsetzt, um sich selber besser darzustellen oder dem Interviewer zu schmeicheln)
  • Sonstiges Verhalten (verbale und nonverbale Taktiken, wie Redeluss und -sicherheit, Abstand zum Gesprächspartner sowie nonverbales Verhalten wie Lächeln, Augenkontakt, Nicken, Gesten)

Am stärksten beeinlusste das Erscheinungsbild die Interviewbewertung, gefolgt vom Impression Management. Das Ergebnis ist natürlich ein Plädoyer für strukturierte Interviews und einer schnellen Identiikation von Selbstpräsentationstendenzen. Dennoch werden zahlreiche Interviews, insbesondere bei mittelständischen oder personengeführten Unternehmen, auch heute noch unstrukturiert durchgeführt und dann hat ein positives Erscheinungsbild durchaus gute Chancen auf eine vorteilhate Bewerbung, die über einen anderen Malus hinweg sehen lässt.

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